Rasen-Roboter Dinosaurier: Und sie lebten doch…

Opa Robomow und M-Robot 1800 Rasenroboter

(Lahr) Ein sehr skurriles Objekt aus vergangener Zeit hat unser Nachbar Manfred letzte Woche in seine Rasenmäher-Werkstatt bekommen: Ein Kunde überließ ihm einen israelischen Robomow der ersten Generation. Ein Rasenroboter aus den späten 90iger Jahren. Wir haben alle nicht schlecht gestaunt, über die schiere Größe des alten Rasenmäher-Roboters, musste er zum Robo-Check doch erst mal auf die Hebebühne für Rasentraktoren gehoben werden! Was uns alle dann aber noch mehr erstaunte: Der uralte Roboter funktioniert noch völlig einwandfrei. Nachdem Manfred und sein Mitarbeiter Konstantin die alten Blei-Batterien aus den Innereien des Roboters geholt und ihm neue Gel-Batterien spendiert haben, nahm der Robo seinen Dienst wieder auf…

Wer, wie Manfred und Konstantin, einen russischen Panzer wieder zum laufen bringt, für den sind alte israelische Robos auch kein Problem. Auf den Rasen tragen, lies sich das Urzeitvieh dann anschließend aber natürlich nicht. Er ist schwer wie ein russischer Panzer und wird i.d.R. per eingestöpselter Kabelfernbedienung zum Rasen dirigiert. WLAN, um mit der Software zu kommunizieren, hat der Veteran nämlich noch nicht. Ist er aber erst eimmal auf dem Rasen, seinem Revier, ist alles erstaunlich vertraut! So viel hat sich in den letzten 20 Jahren bei der Technik gar nicht getan! Der Roboter erkennt die verlegten Induktions-Drahtschleifen unseres M-Robots bzw. des Ambrogio Roboters und beginnt seinen Dienst.

Größenvergleich Konstantin und der Robomow. Konstantin ist nicht klein!! 🙂

Das nennen wir mal echt unobsolete Produktion! Selbst die, wir vermuten Bürsten-Motoren, gehen nach vielen Tausend Betriebsstunden noch. Die meisten Roboter, wie die M-Robot Serie 1800, verwenden heute übrigens keine solchen Motoren mehr, sondern nur noch vollkommen wartungsfreie und super leise Brushless-Motoren. Unsere Vermutung dabei ist, das diese etwas teureren bürstenlosen Elektro-Motoren wahrscheinlich ewig halten…

Der 1998er Robomow hat vorne und hinten Bumper mit Sensoren, die (wie bei aktuellen Robotern) Berührungen erkennen. Drückt man zum Test einen der weichen Bumper, gibt der Rasenmäher ein akustisches Signal zurück, das sich anhört wie ein Nokia Handy. Gebraucht werden die Drucksensoren aber nur im absoluten Ausnahmefall. Der Dinosaurier verfügt, zu unserm Erstaunen, nämlich auch über jeweils 3 Ultraschall-Sensoren vorne und hinten!! Weshalb es 3 sind, hat sich uns nicht ganz erschlossen. Vermultlich der schieren Größe wegen. Heute verwendet  man im allgemeinen 2 der fast baugleichen Sensoren, die es für ein paar Euro in jedem Elektronik-Bastelladen gibt.

In der Mitte des Gehäuses sitzt noch eine tellergroße Leiterplatte, die den Microcontoller beheimatet. Sollte die Elektronik mal den Geist aufgeben, könnte man den ganzen Funktionsumfang des Roboters heute VERMUTLICH für 5 Euro mit einem gängigen IoT Controller wie z.B. dem „ESP8266″ der chinesischen Firma espressif und mit etwas Arduino-Code  ersetzen. …WLAN hätte der Roboter dann, mit dem neuen Microcontroller zum Preis eines doppelten Cheese-Burgers, auch gleich noch eingebaut! Und er könnte alles was aktuelle Rasenroboter können – und natürlich auch alles nicht, was sie bis heute nicht können. Der gesamte Hack wäre aber kaum lohnend, würde ein paar Wochen dauern und wäre  vor allem ein Frevel an der historischen Technik… !

Betrieben wird der Robo mit klassischer 12V Technik. Zwei 12 Volt Batterien in Reihe geschaltet ergeben schließlich auch 24V. Mit modernsten LiPo Batterien würden wir uns diese abenteuerliche Reihenschaltung, ohne Balancer-Elektronik, allerdings kaum trauen. Lithium-Batteriebrände sind sehr uncoole Vorfälle. Der Robmow würde die leichten Lithium-Batterien jedoch schon aus Traktionsgründen  auch kaum vertragen. Verbaut wurden damals nämlich super rasenschonende Slicks. Die Traktion erhält der Roboter durch das schiere Gewicht der Batterien, deren Schwerpunkt auf der steuernden Antriebsachse ruht. Heute geht die Entwicklung eher hin zu Spikes, die bei maximaler Traktion in steilem Gelände, nur minimalen Rasenkontakt haben.

Was auch auffällt – und was der wahrscheinlich wesentlichste Unterscheid zu heutigen Roboter-Generationen wie dem M-Robot 1800 ist: Der Robomow aus dem letzten Jahrtausend hat noch ein richtiges Rasenmäher-Messer auf seiner Unterseite verbaut. Ein 40 Zentimeter Stahlmesser, mit abgeschrägten Seitenflügeln, wie es bei Rasenmähern mit Verbrennungs-Maschine verbaut ist. Vermutlich ist das, für Benzinmaschinen entwickelte Messer bei weitem nicht so energieeffizient wie heutige Rasierklingen-Mähwerke. Das alte Rasemähermesser erklärt aber auch die Größe dieses Dinosauriers. Die Ingenieure nahmen dabei das Konzept eines Rasenmähers und setzten ihm Elektromotoren und einen Mikrocontroller ein. Der alte Robomow Dinosaurier ist damit sozusagen das fehlende evolutionäre Glied zwischen Schiebe-Rasenmäher und Roboter-Rasenmäher.

Manche Dinge, wie die zentrale Anordnung des Motors bzw. der Messer hat sich aber selbst bis heute in den meisten Rasenrobotern erhalten und erinnert auch 2017 noch an alte Rasenmäher! Es resultiert aus Design-Konzepten der mechanischen Kraftübertragung von Verbrennungs-Motoren und wurde seit dem Robomow Urahn von kaum einem Hersteller in Frage gestellt. Dass Elektromotoren ihre Energie per Kabel beziehen, sehr klein und kraftvoll sind und damit überall verbaut werden können, beginnt sich erst seit kurzer Zeit bei den Funktions-Layouts neuer chinesischer Roboter zu zeigen….

Im Augenblick legt die unvorstellbar schnelle Software-Entwicklung bei chinesischen Drohnen die Schlagzahl auch für zukünftige Rasenroboter vor. Bis heute war der 1998er Robomow von Udi Peless und Shai Abramson die Messlatte, welche von kaum einem etablierten Hersteller bislang übertroffen wurden. Laaaangsaaaam die Mühlen der Industrie mahlen. Doch was vor ca. 5 Jahren im Bereich der Drohnen als billigem chinesischem Spielzeug begann, zeigt sich  heute als komplexe Systeme mit visueller Navigation, autonomer Orientierung und optischer Mustererkennung. Die Rasenroboter aller aktuellen Hersteller sind davon noch 20 Jahre entfernt. Sich unkonventioneller Ideen schelten lassen braucht sich die Industrie, seit der erste Robomow vorlegte, zumindest nicht. Je mehr der Vertrieb bestimmt, desto weniger haben die Techniker zu sagen. Bis das nächste kleine Startup disruptiv ansetzt, alles anders zu denken, als man es kennt – und anders als es für schön organisierte Organisationen schön wäre….
….Wer weiß, vielleicht werden Rasenroboter noch kleiner und billiger und die Miniroboter werden sich, in zusammensetzbaren Schwärmen organisiert, parallel die Arbeit teilen. Ein Modell für jede Rasengröße. Oder sie werden wie ein Plotter Muster in den Rasen mähen. Sie bekommen vielleicht auch wieder mehr Schnittbreite, wie der alte Robomow, indem einfach mehrere Elektromotoren verbaut werden. Im Vergleich zu Benzinmotoren sind Elektromotoren schließlich enorm günstig und robust. Sicher ist jedoch, dass sie nicht mehr planlos umher irren werden….

Wir persönlich wünschen uns für die Zukunft eine Stärkung von open source Software in diesem Bereich. Dieser Blog, dieser Shop, dieser Webserver läuft, wie fast das gesamte Internet oder auch z.B. Ihr Android Handy, unter open source Software. Dies hat zu einer rasend schnellen Entwicklung geführt. Geld verdient wird bei open source mit dem Service. Bei fast jedem Hersteller von Rasenrobotern ist open source Software, vielleicht auch deshalb, aber ein Tabu. Service ist etwas, woran der Hersteller in der Wertschöpfungskette nicht verdient  Keiner lässt sich in den schmalen und oft sehr bescheidenen Programmcode schauen… . Programmlogik, die sich  offensichtlich seit den Tagen des ersten Robomow nicht wesentlich verbessert hat, während die ganze Welt sich weiter drehte. Selbst Genossenschaften und Händler-Verbände fördern dieses open source community Initiativen nicht. Aus Abhängigkeit und aus Angst von den jeweiligen Herstellen. Der Rasenroboter wäre dabei das perfekte Produkt, sich von der Abhängigkeit von Herstellern zu emanzipieren. Denn 80% sind Software. Der Rest sind Standard-Elektromotoren, Standard-Sensoren, Standard-Prozessoren und eine Plastik-Hülle mit einem Messer. Die Denke und Macht von Motoren-Herstellern funktioniert hier nicht mehr. Am Elektomotor und seiner Effizienz ist nichts mehr zu verbessern oder weiter zu entwicklen. Er ist nicht mehr das zentrale Element. Doch zu bequem die Abhängigkeiten, in denen man sich eingerichtet hat und die man wohlvertraut kennt….

Rasenroboter sind heute, wie damals, dennoch höchst ineffizient. Oftmals werden Rasenroboter anhand ihrer Akku Leistung für eine bestimmte, maximale Rasenfläche empfohlen. Und sei es auch nur, um sich, vom verkauf gewünscht, ein künstliches Premium-Sgement zu schaffen.Dabei wird von Herstellern verschwiegen, dass  das Potential durch Software-Updates und damit Leistungssteigerung durch effizientere Mähmuster gigantisch ist. Allein die Effizienz der Software birgt ein gigantisches Potential. So ist dies auch weniger eine Klage, als vielmehr eine Prognose des Unvermeitlichen. Hier werden zukünftig die Märkte, zu Gunsten ganz neuer Anbieter und Ideen völlig neu verteilt.

Hergeben oder verkaufen wird Manfred das alte Schätzchen zumindest nicht. Es ist eine echte Rarität und Liebhaberstück für Roboter-Fans und bis heute kaum übertroffen. Vorgestellt wurde dieser erste Robomow des israelischen Startups Friendly Machines im Jahr 1997 (etwa zeitgleich mit dem  Electrolux Automower unter dem Label Husqvarna, später auch unter dem Label Gardena). Bis 2001 wurden dann auch nur ca. 4000 Stück des Robomow der ersten Generation verkauft. Bei der Frage nach Schaltplänen hat der Support von Robomow auch gleich gelacht, als sie hörten was wir da an Land gezogen haben! Die Anfrage kam noch nie! Vermutlich ist der Robo ja auch älter als mancher Mitarbeiter im Support von Robomow und es gibt auch nur noch ganz wenige Stücke dieser Serie. Wenn er nicht gar der letzte seiner Art ist. Ersatzteile scheint der Robo allerdings auch nach 20 Jahren Dienst kaum zu brauchen. Er ist genauso gut erhalten und in Schuss wie wir, nach vielen Dienstjahren.;-) Und er war seiner Zeit leider nur ein bisschen viel zu weit voraus….

 

(cc – creativ commons / Namensnennung ) http://www.m-robot.de/index.php/de/ 

 

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Michael
Gast

Moin Moin

Ich bin beruflich als Gärtner unterwegs und habe vor ein paar tagen genau dieses alte Modell von einem Kunden geschenkt bekommen. Es war schon nicht einfach, dieses Monster auf die Rückbank meines Kleinwagens zu bekommen. Er hat es scheinbar selber nie richtig zum laufen bekommen, weshalb das gute Stück nur rund 70 Stunden auf dem Buckel hat.

Goran
Gast

Also ich habe einen Hus AC220 nun in der 2. Saison im Einsatz: SUPER INVESTITION.

Das Gras hat Golfrasen-Qualität. Der Mähroboter fährt JEDEN Tag von 20:00 Uhr bis 2:00 Uhr Früh, ist absolut leise und es gibt keine Probleme. Das einzige, dass ich bereue ist, dass ich das Ding nicht schon früher gekauft habe. Ich denke, dass es wichtig ist, dass Du JEDEN oder zumindest jeden 2. Tag fahren lässt. Der Roboter hat ja keinen Fangsack… Er fährt auch bei Regen.

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